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Quo vadis, Kreuzfahrten? Wie umweltfreundlich sind moderne Kreuzfahrtschiffe?

23. September 2019

Immer mehr geraten Kreuzfahrtschiffe als Klimasünder in den Fokus von Umweltschützern. So wird immer noch ein Großteil der Kreuzfahrtschiffe und Flotten mit Schweröl angetrieben – einem Raffinerien-Abfallprodukt, das als gefährlicher Klimasünder gilt. Doch, wie umweltschädlich sind die Ozeanriesen mittlerweile wirklich? Gibt es auch umweltschonende Kreuzfahrten und was tun Reedereien für den Umweltschutz? Wir haben einen genaueren Blick darauf geworfen, mit wie vielen Knoten sich Kreuzfahrtschiffe dem Umweltschutz in Form der Verringerung von Emissionen, Plastik-Verboten auf See und anderen umweltbewussteren Maßnahmen nähern.

„Saubere“ Kreuzfahrten – ein Überblick in Zahlen

Der Branchenverband Cruise Lines International Association (CLIA) zeigt in nüchternen Zahlen, dass Kreuzfahrtschiffe und Umweltschutz doch nicht so viele Seemeilen voneinander entfernt liegen, wie man glauben mag:

  • Stand Mitte 2019 wurden Werften mit dem Bau neuer Kreuzfahrtschiffe mit umweltfreundlicherem LNG-Antrieb im Gesamtwert von 22 Milliarden US-Dollar beauftragt.
  • Bereits 111 Cruiser verfügen über Abgasnachbehandlungssysteme. Zudem werden 12 bereits bestehende wie auch 27 neue Kreuzfahrtschiffe mit dieser Technologie ausgerüstet.

Auch will die CLIA die Kreuzfahrtschiffe und deren Beitrag zur Umweltbelastung in ein gesundes Verhältnis zur kommerziellen Schifffahrt setzen. Insgesamt nämlich machen Kreuzer weniger als 1 Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs aus. Entsprechend gering ist damit auch ihr Anteil an den Emissionen, verglichen zu den zahlenmäßig weit überlegenen Frachtschiffen. Nichtsdestotrotz will die touristische Schifffahrt in erster Linie Vorbild in Sachen Umweltschutz auf hoher See sein. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es eine ganze Reihe vielversprechender Maßnahmen, von den viele bereits ganz oder teilweise umgesetzt werden. 

Weißer Rauch

Um die Umweltbilanz von Kreuzfahrtschiffen zu verbessern, setzen einige Reedereien mittlerweile Filteranlagen ein bzw. rüsten ihre Schlote damit nach. Diese Filter reinigen die aus den Schornsteinen dringenden Abgase von schädlichen Rußpartikeln, von Schwefeldioxiden (SO2) und auch von Stickoxiden (NOx) – zwar noch nicht zu 100 Prozent, aber immerhin bewegt sich einiges in Richtung umweltschonender Abgasnachbehandlung.

Schadstoffärmere Antriebe

Die AIDA-Flotte machte es mit der AIDAnova Ende 2018 allen anderen Flotten vor, nun folgt mit der AIDAmira ein weiteres umweltfreundlicheres AIDA-Kreuzfahrtschiff. Zudem sind zwei weitere Ozeankreuzer bis 2021 bzw. 2023 geplant, die vollkommen auf Schweröl verzichten. Alle werden mit Liquified Natural Gas (LNG), einem emissionsarmen Flüssiggas betrieben. Für die Umwelt ist das eine gute Nachricht, denn dank des Flüssiggas-Antriebs geht der Ausstoß von Feinstaub und Schwefeloxiden fast vollständig gegen Null. Zudem werden auch CO2-Emissionen deutlich reduziert.

Auch die Costa-Flotte zieht nach und zeigt, wie Kreuzfahrten und Umweltschutz auf hoher See gemeinsame Klimaziele ansteuern können. Mit der Costa Toscana schickt sie ab 2021 einen Cruiser auf die Reise, der die Meere dank LNG umweltfreundlicher befahren soll.

Zugegeben: Von den rund 450 Kreuzfahrtschiffen, die aktuell auf den Ozeanen kreuzen, sind eine Handvoll LNG-betriebener Cruiser nur ein Anfang. Doch alleine die Tatsache, dass die UN-Schifffahrtsbehörde International Maritime Organization (IMO) beschlossen hat, die Emissionswerte für Schiffe zu senken, setzt ein wichtiges Zeichen. Zum 01. Januar 2020 darf dann der Ausstoß auch von Kreuzfahrtschiffen nicht mehr als 0,5 Prozent Schwefelgehalt betragen. Das wiederum ist das faktische Aus für das umweltschädliche Schweröl. Ob die Reedereien dann auf das weniger umweltbelastende Marine-Diesel setzen, ihre Schornsteine mit entsprechenden Filtern umrüsten oder gleich mit emissionsarmem Flüssiggas Fahrt aufnehmen, bleibt abzuwarten – und zu hoffen.

Zero Landfill

Ein Konzept, das unter anderem die Symphony of the Seas konsequent umsetzt, ist Zero Landfill. Das ambitionierte Ziel: Nichts, was an Bord mitgeführt wird, soll auf einer Mülldeponie landen. Alles soll zu 100 Prozent dem Recycling zugeführt werden. Insofern verzichtet man auf dem Schiff auch weitestgehend auf Einweg-Plastik. Weitere Maßnahmen, die das größte Kreuzfahrtschiff der Welt zudem getroffen hat, liegen in 

noch effizienteren Propellern und in einem Wärmerückgewinnungssystem. Dank dieser Technologie werden die Abgase der Generatoren praktisch wiederverwendet.

Auch an Land für Umweltschutz auf hoher See sorgen

Hält man sich vor Augen, dass Kreuzfahrtschiffe bis zur Hälfte ihrer Betriebszeit in Häfen liegen und in dieser Zeit dennoch die Motoren laufen, wird deutlich, dass Abgase auch dann entstehen, wenn Schiffe überhaupt nicht auf See sind. Würden beispielsweise noch mehr Kreuzer mit Landstrom aus regenerativen Energien versorgt, solange sie in den Häfen auf ihr Auslaufen warten, könnten jede Menge Emissionen eingespart werden.

Wassermanagement auf den Meeren

Es klingt widersinnig, und doch ist das ökologische Management von Wasser gerade auf dem Meer ein Muss. Das gilt nicht nur für den Klärschlamm, der im Idealfall nicht in den Ozean zurückgepumpt, sondern in entsprechenden Deponien an Land fachgerecht entsorgt wird. Es betrifft auch die sogenannte Osmoseanlage. Diese nämlich wandelt Salz- in Frischwasser um. Ebenso verfügen einige Kreuzfahrtschiffe über biologische Kläranlagen. Die wiederum bereiten das anfallende Abwasser wieder zu frischem Wasser auf.

Schiffsdesign: die AIDAnova und der „Blaue Engel“

Dass umweltschonende oder gar umweltfreundliche Kreuzfahrten bereits mit dem Design der Schiffe beginnen, zeigt die Auszeichnung der „AIDAnova“ mit dem Umweltabzeichen „Blauer Engel“. So ist dieser richtungsweisende Kreuzer nicht nur der erste, der mit Flüssiggas angetrieben wird. Vielmehr weist er eine verbesserte Umweltbilanz auf – als Resultat einer Emissionsreduzierung während der Hafenliegezeiten, weniger Unterwasserschallemissionen, wassersparender Techniken, effektiver Abwasserreinigungsanlagen und Korrosionsschutz. Kein Wunder also, dass auch das Kreuzfahrtschiff-Ranking des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) im Jahr 2018 die AIDAnova mit gleich vier grünen Schiffsschrauben ausgezeichnet hat. Auf Rang zwei mit zweieinhalb grünen Schiffsschrauben folgt übrigens die Europa 2 von Hapag-Lloyd. Platz drei in der NABU-Umwelttabelle belegen mit der AIDAprima und der AIDAperla gleich zwei weitere Kreuzfahrtschiffe aus der AIDA-Flotte.

Was können Passagiere für den Umweltschutz auf Kreuzfahrtschiffen tun?

Wie überall in Sachen Umweltschutz haben Konsumenten und Kunden es auch bezüglich umweltfreundlicher Kreuzfahrtschiffe selbst in der Hand. Sie können nicht nur entscheiden, mit einem umweltschonenden/umweltfreundlichen Schiff zu fahren, sondern auch an Bord für eine gute Umweltbilanz sorgen. So können Passagiere schon viel zum Umweltschutz auf Kreuzfahrten beitragen, wenn sie beispielsweise 

  • auf Einwegplastik (also Strohalme, Becher, Besteck) und Plastiktüten in den Shops verzichten, 
  • die Starthäfen mit der Bahn anfahren, 
  • den Müll nicht einfach ins Meer werfen, 
  • sparsam mit Brauchwasser sind oder
  • ab und an Vorträge auf dem Schiff besuchen, die zum Thema bewusstes Umweltverhalten auf See gehalten werden. 

Auch bereits beim Buchen kann der Umweltschutz beginnen: Indem nur die Reiseunterlagen ausgedruckt werden, die man wirklich in Papierform benötigt. Gerade Online-Reisebüros schicken ohnehin vornehmlich digitale Reiseunterlagen an ihre Kunden. Und wenn es das Reisebüro in der Stadt ist, über das Sie Ihre Kreuzfahrt buchen wollen, lässt sich dieses sicherlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem erreichen.

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